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Lokale Menschenrechtsorganisationen haben eine weitere militärische Razzia im Distrikt Balingga, Landkreis Lanny Jaya, Provinz Papua, dokumentiert. Nach Angaben des Papuan Institute of Human Rights Studies and Advocacy (ELSHAM Papua) hat die indonesische Militärinfanterie (TNI-AD) am 2. und 4. Dezember 2019 mehrere Angriffe gegen die Nationale Befreiungsarmee Westpapuas (TPN-PB) im Gebiet um das Dorf Timonikime gestartet. Die Soldaten sollen dort mehrere Häuser durchsucht haben. Laut Informationen auf der Website von ELSHAM Papua wurden zwei einheimische Dorfbewohner namens Abokman Tabuni und Diron Tabuni bei der Razzia getötet. Sieben Häuser wurden niedergebrannt. Viele Einheimische aus den Dörfern Timonikime und Manggalome flohen Berichten zufolge aus Angst vor dem Militär in die umliegenden Wälder. Die Gesamtzahl der Binnenvertriebenen im Zusammenhang mit dem Vorfall ist derzeit nicht bekannt.

Die Razzia war eine Reaktion auf einen Schusswechsel zwischen TNI-AD und TPN-PB am 1. Dezember 2019 in Timonikime, wo Militärangehörige ein Sozialhilfeprogramm durchführten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Jubi evakuierte die Lokalregierung nicht-papuanische Motorradtaxifahrer und Lehrer aus den Bezirken Malagai, Balingga, Popome und Pirime in die Stadt Tiom, um eine weitere Eskalation des gewaltsamen Konflikts zu verhindern.

Hintergrund
Der bewaffnete Konflikt im zentralen Hochland Papuas hat sich seit Anfang Dezember 2018 erheblich verschärft. Damals hatten TPN-PB-Kämpfer 19 Bauarbeiter eines staatlichen Bauprojekts im Landkreis Nduga getötet. Besonders alarmierend ist der deutliche Anstieg der Zahl der zivilen Opfer. 189 indigene Papuas aus der Nduga Region - die meisten von ihnen Frauen und Kinder - sind Berichten zufolge zwischen dem 2. Dezember 2018 und dem 10. Oktober 2019 an den Folgen der Gewalt oder auf der Flucht gestorben. Tausende sind noch immer auf der Flucht.

Eine zweite militärische Operation findet im Landkreis Puncak statt. Die Zahl der Binnenvertriebenen im Zusammenhang mit dem Militärangriff erreichte Berichten zufolge 1.500 indigene Opfer.