Der Kirchenrat von Westpapua drückte seine Besorgnis über die wiederkehrende Gewalt in Westpapua aus und betonte das Leiden, das die Menschen in Westpapua während der 60 Jahre "Konflikt und Militarismus" ertragen müssen und erwähnte dabei besonders die jüngste Situation in Nduga, Intan Jaya und Mimika.

Die Erklärung wurde während der Gedenkfeier zum 166. Jahrestag der Ankunft der Heiligen Bibel in Westpapua abgegeben. Pastor Andrikus Mofu erklärte, dass zwei Missionare aus Deutschland, Carl Wilhelm Ottow und Johann Gottlob Geissler, die Heilige Bibel im Namen Gottes nach Papua gebracht haben. "Mit der Kraft des Evangeliums kamen sie 1855 nach Papua und verbreiteten das Evangelium in jeder kirchlichen Konfession, damit die Menschen in Westpapua und die, die nach Westpapua kamen, das Gute im Leben auf dem Land, das Gott gesegnet hat, erfahren", sagte Mofu.

Der Leiter der Synode der Kemah Injil Kirche in Papua, Dr. Benny Giay, der Teil des Kirchenrates ist, sagte, er sei besorgt über die wiederkehrende Gewalt gegen die einheimischen Papuas, die sich seit Jahrzehnten nicht frei fühlen.

"Papuas sind wie Affen in einem zu Indonesien gehörenden Nationalpark, der sich von Sabang bis Merauke erstreckt.", sagte Giay am 19. Februar 2021.

"Während wir in das Jahr 2021 eintreten, haben wir Papuas immer noch mit "Geschossen rassistischer Rede" von Staatsbeamten zu tun, die weiterhin die Würde des papuanischen Volkes lähmen, so der Kirchenrat in seinem Brief. Der Kirchenrat erwähnt mehrere kürzliche Vorkommnisse: So wurde Anfang Januar vorgeschlagen, zwei Millionen indigene Papuas nach Manado, Nordsulawesi umzusiedeln und zwei Millionen Einwohner von Manado, Nordsulawesi dafür nach Westapua umzusiedeln. Weiter sollten Mitglieder der Organisation für ein unabhängiges Papua (OPM) als Terroristen eingestuft werden. Ebenso erwähnt der Kirchenrat den rassistischen Vorfall gegen Natalius Pigai.
 
Giay sagte, dass Westpapua wie ein kleiner Himmel sei, der auf die Erde fiel. Es sei reich an Gold und allem, was Gott geschaffen habe. "Papua ist wie Zucker, der Ameisen anlockt", sagte er. Auf der anderen Seite, sagte er, sterben die Papuas an Hunger und Unterernährung. Der Index für die menschliche Entwicklung in Westpapua sei niedrig, Schulen würden verlassen, es gäbe nicht genug Lehrer in den abgelegenen Gebieten Papuas. Die Sonderautonomie sollte die Entwicklung fördern, aber das geschah nicht. Das sind die wahren Probleme, die unsere Existenz bedrohen", sagte er.

Giay forderte Präsident Joko "Jokowi" Widodo auf, dem Rassismus gegen Papuas Aufmerksamkeit zu schenken. "Rassismus ist ein großes Problem. Es ist 60 Jahre her, sind die Papuas jetzt gleichberechtigt? Rassismus existiert immer noch", sagte er. Weiter äußerte er Kiritik an der Sonderautonomie Westpapuas. Jakarta investiere vorrangig in Infrastruktur und die Ausweitung von Militärpräsenz, die sich durch die Bildung neuer Provinzen nur noch weiter erhöhen würde.
Auch nach 20 Jahren lehnen immer mehr Papuas die Fortführung der Sonderautonomie ab und sagen, dass diese nur noch als Jakartas Kontrolle über die Papuas diene. "Die Papuas können protestieren", so Giay weiter.
Giay kritisierte auch den Sicherheitsansatz der Zentralregierung und die Ablehnung des Dialogs. "Wenn wir um einen Dialog bitten, ist das nicht übertrieben, richtig. Warum können wir nicht einen Dialog mit der Zentralregierung führen? Denken Sie, wir sind Affen?"

166 Jahre nach der Ankunft der Heiligen Bibel in Westpapua bleiben fragen für die Kirche. "Hat das Evangelium den Papuas und denen, die in Westpapua leben, Leben gegeben?" sagte Mofu. Er sagte, dass die Kraft des Evangeliums auch in einer dunklen Zeit bestehen bleiben würde. Mofu sagte, der Kirchenrat von Westpapua sei in der Position, gute Werte und Gerechtigkeit für die einheimischen Papuas zu hinterfragen und dafür zu kämpfen. Das sei der Grund, warum der Rat über die Menschenrechtssituation in Papua spreche, sagte er.
 
"Wenn die Kirche nicht das Evangelium verbreitet, nicht für gute Werte und Gerechtigkeit kämpft, wird es eine Frage geben. "Hat die Kirche das Wort Gottes verbreitet oder nicht?" Ich muss das klarstellen, weil einige Leute, Außenstehende, uns gefragt haben, warum die Kirche über Menschenrechtsverletzungen spricht? Hier ist der Grund: Es ist unsere Verantwortung. Gewalt nach Gewalt, ein Problem nach dem anderen. Es geht weiter und weiter", sagte Mofu.
Mofu sagte, es sei nur richtig, dass die einheimischen Papuas die Zentralregierung fragen, ob der Staat die einheimischen Papuas noch als Teil des Staates betrachte oder nicht? Denn viele Probleme in Papua wurden von der Regierung nie gelöst. Mofu forderte auch eine Evaluierung der Sonderautonomie.

Der Präsident der Indonesischen Evangelischen Kirche (GIDI), Pastor Dorman Wandikbo, zeigte sich besorgt über die Zivilisten in den Bezirken Nduga und Intan Jaya, die aufgrund der bewaffneten Konflikte zwischen TPNPB und TNI aus ihren Häusern fliehen mussten, um Sicherheit zu suchen. "Unsere Gemeinde in Nduga ist seit mehr als zwei Jahren außerhalb ihrer Häuser, sie sind vertrieben. Auch in Intan Jaya ist es schon ein Jahr her, dass sie ihr Zuhause verlassen mussten.  Ihre Häuser, ihre Schulen, ihre Kirchen sind vom Militär besetzt, weil das Sicherheitspersonal dort keinen Platz zum Wohnen hatte. Sie benutzten das Haus des Volkes, den Ort der Ausbildung des Volkes. Der Kirchenrat von Westpapua hat Präsident Jokowi gebeten, das Sicherheitspersonal aus Intan Jaya und Nduga abzuziehen," sagte er.
 
Wandikbo bedauerte auch die Stigmatisierung, die die einheimischen Papuas als "bewaffnete Kriminelle" beschuldige. "Nachdem das Militär reinkam, wurden Pastoren getötet, religiöse Führer wurden erschossen, unschuldige Zivilisten wurden erschossen. Wir sind darüber besorgt. Wir vom Rat möchten folgendes fragen: wen bezeichnen Sie als "bewaffnete kriminelle Gruppe"? Gibt es eine Waffenfabrik in Papua? Woher haben sie die Waffen, wer hat sie verkauft?" sagte Wandikbo.
 
Dr. Socratez Sofyan Yoman, der Präsident der West Papua Baptist Church Association, hinterfragte Jokowis Versprechen, ausländischen Journalisten die Einreise nach Westpapua und das Schreiben von Berichten zu erlauben. "Der Rat fordert Jokowi auf, sein Versprechen zu erfüllen", sagte er.
Er forderte Jokowi auch auf, sein Versprechen zu erfüllen, den Fall in Paniai im Jahr 2014 zu klären. Die Nationale Kommission für Menschenrechte (Komnas HAM) hat im Jahr 2020 bekannt gegeben, dass es Hinweise darauf gäbe, dass die Tötung von vier Studenten, die angeblich in den Händen der TNI waren, grobe Menschenrechtsverletzungen waren. "Wir schreiben jetzt das Jahr 2021. Der Präsident hat auch versprochen, ein Besuch des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Westpapua umzusetzen, um die Probleme zu sehen," sagte er.
Er erinnerte Jokowi an seine Erklärung vom 30. September 2019, in der er sagte, er sei offen für einen Dialog mit der Pro-Referendumsgruppe."Wir, die Kirche, sind optimistisch und glauben, dass der seit Jahren andauernde Konflikt friedlich und auf dem Verhandlungsweg gelöst werden kann.", so der Kirchenrat in seinem Brief.

"Wir sind von Gott nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen. Hört auf, uns zu stigmatisieren", sagte Yoman.

 

Hier geht es zum Download des Briefes des Kirchenrates von Westpapua (englisch)