Tausende von Indigenen im Bezirk Intan Jaya, Provinz Papua, sind seit Beginn der laufenden Militäroperationen gegen die Nationale Befreiungsarmee Westpapuas (TPN PB) im Dezember 2019 intern vertrieben worden. Die Menschen sind aus ihren Häusern geflohen und haben in der größten Stadt von Intan Jaya, Bilogai, oder in anderen Landkreisen wie Mimika, Puncak, Paniai und Nabire Schutz gesucht.

Die Vertriebenen flohen aus Angst, von den Sicherheitskräften getötet oder gefoltert zu werden. Berichten zufolge haben Militärangehörige allein seit Januar 2021 fünf indigene Papuas getötet. Trotz vereinzelter humanitärer Hilfsinitiativen der lokalen Regierungen verschließt die Zentralregierung weiterhin die Augen vor den Binnenflüchtlingen in Westpapua.

Bürger und religiöse Vertreter forderten in einer öffentlichen Diskussion den indonesischen Staat auf, Verantwortung für die vertriebenen Menschen zu übernehmen, die ihre Häuser aus Angst vor dem Verlust ihres Lebens inmitten der bewaffneten Konflikte verlassen haben. Die Diskussion mit dem Titel "Was passiert in Intan Jaya" wurde von der Theologischen Akademie Walter Post in Jayapura organisiert.

Pastorin Dora Balubun, die Leiterin des Menschenrechtsbüros der evangelischen Kirche in Papua (GKI-TP), sagte am Dienstag, den 9. März, in einer öffentlichen Diskussion in Intan Jaya, dass Indonesien Tausende von Vertriebenen aus Nduga und Intan Jaya vernachlässigt habe. "Der Staat muss die Verantwortung übernehmen. Sie können nicht einfach die Augen verschließen. Sie schulden den Papuas eine Menge., sagte Balubun.
Balubun führte aus, dass die Regierung konkrete Maßnahmen ergreifen müsse, um den Frieden und das Wohlergehen der Nduga und Intan Jaya Vertriebenen wiederherzustellen. "Was hat die Zentralregierung mit den vertriebenen Bürgern gemacht? Wollen Sie sie einfach so lassen?", sagte sie. Balubun sagte weiter, die Kirchen hätten nicht genug Macht, um den Frieden und das Wohlergehen der Binnenvertriebenen wiederherzustellen. "Es ist bald Ostersonntag, wir müssen uns um sie kümmern", fuhr sie fort. Sie kritisierte die Zentralregierung und die Provinzverwaltung von Papua, die, wie sie sagte, "damit beschäftigt sind, die Infrastruktur aufzubauen, aber die Menschen vernachlässigen". "Die Regierung spricht von Entwicklung in Papua, aber sie denken nicht an die Entwicklung der Menschen, besonders der Vertriebenen. Was brauchen sie jetzt? Haben sie die gleichen Rechte wie andere Papuas?", sagte sie.

Ein weiterer Sprecher in der Diskussion, Yanuarius Weya, sagte, dass der Landkreis Intan Jaya keine Konfliktzone in Papua war, bis er 2008 ein unabhängiger Landkreis wurde, nachdem er von dem Landkreis Paniai abgespalten wurde.
Im Jahr 2012 begannen politische Konflikte aufzutreten. Zuvor gab es in Intan Jaya nur gelegentliche Stammeskonflikte. Seitdem mehreren sich Berichte über Schusswaffengebrauch. "Die alten Leute sind verängstigt, sie sind dann aus ihrem Dorf geflohen, um sich im Dschungel oder in den Nachbarregionen zu verstecken", sagte Weya. Weya sagte, dass viele Menschen, die ihr Dorf verlassen hatten, bis jetzt nicht nach Hause zurückkehren konnten.
 
Die Redner in der öffentlichen Diskussion sprachen auch über die natürlichen Ressourcen in Westpapua. Pastorin Balubun sagte, Papua sei "so reich, dass die einheimischen Papuas nicht gut schlafen können". Sie sagte, die einheimischen Papuas könnten nicht in Frieden leben, weil die Ressourcen weiter Interesse wecken.

"Was hat die Regierung zu den Konflikten zu sagen? Ich habe nichts von ihnen gehört. Jetzt verhalten sich die Kirchen so, als ob wir Feuerwehrleute wären, die Brände löschen, wenn es schon passiert ist. Alle Kirchen in Papua, Kingmi, GIDI, Baptisten, Katholiken, GKI, alle von uns mussten sich um die Opfer kümmern", sagte sie.
Nach Angaben lokaler Solidaritätsgruppen leben derzeit 353 intern vertriebene Familien aus Intan Jaya an 25 verschiedenen Orten in Nabire. Mehrere zivilgesellschaftliche Gruppen haben Lebensmittel, Kleidung und andere lebensnotwendige Güter für die Binnenvertriebenen gesammelt. Die katholische Kirche hat 2,5 Tonnen Reis an die Vertriebenen verteilt. Der Landrat von Dogiyai, Yakobus Dumupa, spendete Berichten zufolge 2 Tonnen Reis an die KAPP für die IDPs in Nabire. Studenten und Einwohner in Manokwari starteten ebenfalls private Initiativen, um Spenden und Kleidung zu sammeln. Die Waren und Spenden in Höhe von etwa 4.000 € wurden unter den Binnenvertriebenen in Nabire verteilt.

Währenddessen hält Jakarta an seinem Ansatz fest, den politischen Konflikt durch die Entsendung zusätzlicher Sicherheitskräfte nach Westpapua zu lösen und ist nicht bereit, in Verhandlungen mit den papuanischen Unabhängigkeitsgruppen einzutreten. Medienberichten zufolge brachte ein indonesisches Kriegsschiff am 9. März 1.350 neue Militärangehörige nach Jayapura (siehe Foto). Die Truppen sollen an den Brennpunkten des bewaffneten Konflikts eingesetzt werden, wie z.B. in den Landkreisen Intan Jaya, Nduga, Puncak und Mimika.

Menschenrechtsbeobachter sagen, dass die Truppen die indigene Kultur der Papua nicht verstehen und ein Hauptgrund für die Gewalt gegen Zivilisten in Westpapua seien. Der stellvertretende Vorsitzende des Papua-Parlaments (DPRP), Yunus Wonda, äußerte sich besorgt über die wachsenden Stationierungen in der Papua-Provinz. Er erklärte in einem Interview mit dem Medienunternehmen Jubi, dass das Militär weder das DPRP (Provinzparlament von Papua) noch den Gouverneur über die Gesamtzahl der Truppen in der Provinz informiert habe.