Im Dezember 2020 bot die indonesische Regierung SpaceX-CEO Elon Musk einen Raketenstartplatz auf Biak in der Provinz Papua an. Doch die Papuas auf Biak sind vehement dagegen. Sie argumentieren, dass ein Weltraum-Startplatz die Abholzung vorantreiben, die indonesische Militärpräsenz erhöhen und ihre Zukunft auf der Insel bedrohen würde, berichtete The Guardian.

Die Bewohner der Insel Biak in Papua sind besorgt, dass eine neue SpaceX-Startrampe auf ihrem Land sie ihre traditionellen Jagdgebiete kosten und die Natur, von der ihre Lebensweise abhängt, beschädigen würde. Ein Stammeshäuptling auf der Insel, Manfun Sroyer, sagte, er befürchte, dass die Papuas aus ihren Häusern vertrieben würden. Aber wenn sie protestieren, werden sie sofort verhaftet.

Dies ist nicht der einzige Raketenstartplatz, der auf Biak gebaut werden könnte. Die russische Raumfahrtbehörde Roscosmos will bis 2024 eine Startrampe auf der Insel errichten. "Im Jahr 2002 wollten die Russen unser Land für Satellitenstarts. Wir haben protestiert, und viele wurden verhaftet und verhört ... jetzt haben sie das Thema zurückgebracht, und die Schikanen und Einschüchterungen gehen immer noch weiter", sagte Sroyer dem Guardian.

Westpapua hat einige der größten Kupfer- und Nickelvorkommen der Welt, zwei wichtige Materialien für die Herstellung von Raketen und Batterien für Teslas Elektrofahrzeuge. Laut einer Regierungserklärung vom Dezember 2020 befindet sich Tesla, dessen CEO Musk ebenfalls ist, bereits in Gesprächen mit der indonesischen Regierung über mögliche Investitionsmöglichkeiten. Im Erfolgsfall könnten die Aktivitäten von Tesla und SpaceX den Rohstoffabbau in Westpapua weiter beschleunigen.

Ein Sprecher der Regierung sagte gegenüber The Guardian, dass der geplante Startplatz in Absprache mit der Regierung Papuas und den lokalen Gemeinden entwickelt werde. Biak würde eine "Weltrauminsel" werden, die "positive wirtschaftliche Auswirkungen" für die dort lebenden Menschen mit sich bringen würde. Die Bewohner von Biak scheinen diese Aussage nicht zu unterstützen. Im Gegenteil, sie befürchten, dass eine SpaceX-Startrampe die Ökologie der Insel zerstören und die Menschen aus ihren Häusern vertreiben würde.


Hintergrundinformationen:

Seit vielen Jahren gibt es Pläne zum Aufbau eines Spaceports in Biak. Biak liegt äußerst günstig in der Nähe des Äquators und man hat in Richtung Osten tausende Kilometer Ozean vor sich. Träger des Projektes ist „LAPAN“ (Lembaga Penerbangan dan Antariksa), die indonesische Raumfahrtbehörde.

Die Adatgemeinschaft Biak ist im Besitz eines Dokumentes, nach dem schon im Jahr 1980 15 ha an die Regierung abgetreten wurden. Seit mindestens 2002 verlangt Lapan mit Unterstützung des Militärs 100 ha. 1980 habe es schon Verhandlungen über 100 ha gegeben. Es sei aber nicht über die Verwendung dieses Landes gesprochen worden. Die Eigentümer hätten eine Milliarde Rupiah gefordert. Damals wurde die Forderung als viel zu hoch empfunden und als Versuch, die Pläne der Regierung zu verhindern und das Militär drohte mit Gewalt. Im Juli 1980 wurden schließlich 15 Millionen Rupiah für das Land gezahlt. Es ist unklar, wie viele Hektar abgetreten wurden. Unklar ist auch, ob zu diesem Zeitpunkt überhaupt ein Weltraumbahnhof in Aussicht war.

Um das Jahr 2002 soll es einen Versuch des Militärs gegeben haben, 100 ha zu erwerben. Unter dem Druck des Militärs soll sich die Adatgemeinschaft Warbon anfangs bereit erklärt haben, 100 ha abzutreten, aber später ihre Bereitschaft zurückgezogen haben, weil die Regierung  nicht die Adatprozedur respektiert habe und auch nicht erklärt habe, welche positiven oder negativen Auswirkungen das Projekt auf die Bevölkerung habe. Bei einem Besuch von Lapan-Beamten im März 2014 sperrte die Bevölkerung das Gelände ab. Man bestand darauf, dass es noch keine gültige Übertragung des Landes gegeben habe.

Im Jahr 2007 plante ein deutsch/russisches Joint Venture, Biak als Spaceport zu nutzen. Diesem Unternehmen ging es nach ihren eigenen Angaben um Nutzung des Flughafens Biak zu Start und Landung eines Großraum-Flugzeugs, das eine Trägerrakete mit Satellit in 10 km Höhe ausstoßen würde. Die Rakete würde dann den Satelliten in die Umlaufbahn tragen. Das Verfahren sei sehr viel billiger und sauberer als Boden-Luft-Starts von Raketen. Es ging ihnen nicht um das Land in Nordbiak. Damals soll ein Vertrag zwischen der ind. und der russischen Regierung unterzeichnet worden sein. Dem Joint-Venture fehlte jedoch das Geld. 

Nach dem Gesetz Nr. 21/2013 über die Luft- und Raumfahrt ist LAPAN für den Start von Luft- und Raumfahrtgeräten, den Bau und den Betrieb eines Weltraumbahnhofs zuständig. Das Gesetz verlangt von LAPAN die Entwicklung von Raketen für Satellitenstarts, beginnend mit der Entwicklung von Höhenforschungsraketen; und den Bau eines Raketenstartplatzes in Ostindonesien. Lapan hat bereits einen Weltraumbahnhof in West-Java. Dort können aber nur kleine Raketen starten. Ein Team, das das Spaceport-Projekt in Biak vorbereitete, hatte bereits 2016 festgestellt, dass 100 Hektar viel zu wenig für das Projekt seien. Die Mindestanforderung liegt bei 700 ha. Der Abstand zu Wohngebieten müsse mindestens 5 km betragen, aber die Dörfer sind bereits einen Kilometer entfernt. Die China Wall Industry Corporation war an diesem Team beteiligt.

Im Mai 2018 berichtete das Menschenrechtsbüro (KPKC) der GKI-TP über einen Konflikt zwischen der Bevölkerung in Nordbiak und einem Team von vier indonesischen Armee-Offizieren und Polizei. Die Offiziere hatten Papiere zur Unterschrift vorbereitet. Die Bevölkerung sollte unterschreiben, dass sie 100 ha Land für das Spaceport-Projekt abtreten wollen. Dabei soll einer der Offiziere den Ketua Klasis Pdt. G. Ambrauw tätlich angegriffen haben. Abrauw gehört zu den Besitzern des Landes. Er weigerte sich.

Im August 2018 erklärte der Vorsitzende von Lapan, (Thomas Jamaluddin) , dass noch keine Entscheidung über den Standort gefallen sei. Eine Alternative für den Standort Biak wäre der Ort Morotai in Nordmaluku. Biak sei jedoch vorzuziehen, da es dünn bevölkert und geographisch günstiger gelegen sei. Bei Explosionen oder Abstürzen von Raketen sei die Gefahr für Menschen gering.

Bisher gibt es in Äquatornähe nur zwei Spaceports, nämlich Kouruo in Französisch Guyana und Alkantara in Brasilen. Mit Biak wäre Indonesien weltweit Nummer 3.