Nachdem es im September im Zuge des bewaffneten Konflikts im Landkreis Pegunugan Bintang zu einem Angriff der TPNPB auf öffentliche Einrichtungen kam, hat sich der bewaffnete Konflikt dort weiter verschärft. Die Nationale Befreiungsarmee hat sich zu dem Brand von öffentlichen Gebäuden, darunter eine Schule und eine Krankenstation, bekannt, bestritt jedoch, die Mitarbeiter*innen angegriffen zu haben. Bei dem Angriff auf das Gesundheitszentrum verstarb eine Mitarbeiterin und mehrere wurden verletzt.

Seit dem Vorfall haben indonesische Sicherheitskräfte mutmaßliche Dorfhochburgen der Unabhängigkeitskämpfer stärker ins Visier genommen. Zwischen dem 10. und dem 21. Oktober soll es nun in in dem selben Landkreis zu mehreren Hubschrauberangriffen mit Sprengstoffen durch das Militär gekommen sein, wie verschiedene Beobachter berichten.  Verschiedene Beobachter geben an, dass indonesische Militärhubschrauber Sprengstoff auf mehrere Dörfer in dem Landkreis Pegunugan Bintang in der Provinz Papua abgeworfen haben. Nach Zeugenaussagen fanden die Luftangriffe in den Dörfern Pelebip, Kiwi, Delpem und Lolim statt, die alle im Bezirk Kiwirok liegen. Die Häuser in den betroffenen Dörfern sind Berichten zufolge aufgrund der Angriffe bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Der Volksrat der Provinz Papua und das Manokwari Institute for Research Study and Development of Legal Aid (LP3BH Manokwari) bestätigten unabhängig voneinander, dass sie Informationen über die Bombenanschläge aus ihren Informationsnetzwerken erhalten hätten. Der Vorsitzende des MRP, Timotius Murib, forderte die indonesischen Sicherheitskräfte auf, sofort alle Taktiken zu unterlassen, die das Wohlergehen der Zivilbevölkerung in den Konfliktgebieten, einschließlich Pegunungan Bintang, gefährden könnten.

Der Sprecher der Nationalen Befreiungsarmee West Papuas (TPN PB), Sebby Sambom, behauptete, dass Militärhubschrauber etwa 50 Mörsergranaten auf Dörfer und ein Basislager der TPN PB abgeworfen hätten. Nach Angaben von Sambom waren die meisten Granaten auf zivile Siedlungen gerichtet. Örtliche Dorfbewohner fanden kurz nach den Angriffen mehrere Sprengsätze, die nicht detoniert waren.

Infolge des Angriffes im September und des anhaltenden bewaffneten Konflikts in dem Landkreis sind mehr als 2.000 indigene Papuas im Landkreis Pegunungan Bintang Berichten zufolge aus ihren Häusern geflohen. Vertreter der lokalen Regierung in Pegunungan Bintang kündigten an, dass die Regierung die Rückkehr von mehr als 300 Binnenvertriebenen aus Kiwirok vor Dezember 2021 ermöglichen werde. Die Binnenvertriebenen haben an 17 Orten in der größten Stadt des Bezirks, Oksibil, Lager errichtet, da die Häuser und öffentlichen Einrichtungen in Kiwirok zerstört wurden. Lokale Regierungsvertreter in Pegunungan Bintang riefen Lehrer, Ärzte und Mitarbeiter des Gesundheitswesens auf, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, sobald sich die Sicherheitslage in dem Landkreis erholt habe.

Viele indigene Papuas aus dem Landkreis sind jedoch auch zu Fuß über die Berge in den Nachbarstaat Papua-Neuguinea geflüchtet bzw. haben dies noch vor. Ein Sprecher der OPM, Jeffrey Bomanak, sagte, dass die Flüchtenden vor den indonesischen Militäroperationen, einschließlich Hubschrauberangriffen, fliehen, die nach seinen Angaben in etwa 14 Dörfern erhebliche Zerstörungen angerichtet haben. Während einige der Papuas nur für kurze Zeit über die Grenze flüchten, mischen sich andere unter die allgemeine Bevölkerung in verschiedenen abgelegenen Dörfern entlang der porösen Grenzregion.
In der Grenzregion in Papua-Neuguinea gibt es in einigen Gemeinden auch die Furcht davor, in das Kreuzfeuer des indonesischen Militärs geraten zu können, das die papuanischen Kämpfer verfolgt.